Zubehör-Tipps: Sättel

Sitzen bleiben!

10.01.2017 Kai Hilbertz - Kennen Sie das? Auf langen Pedelec-Touren hätten Beine und Akku noch Kraft für viele Kilometer ... aber der Allerwerteste braucht unbedingt eine Pause? Dann sollten Sie vielleicht über einen neuen Sattel nachdenken. Denn er trägt entscheidend zum Komfort auf dem Rad bei. Wir haben 6 Tipps für bequemes Sitzen und lange, schmerzfreie Radtouren!
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Sitzkomfort: (v. l. n. r.): "Independence Road" von Rivet, 284 Euro, www.carradice.co.uk; "BSD-72" von BBB, ca. 43 Euro, www.bbbcycling.com; "Arteria GT Max" von Terry, 89,95 Euro, www.terry-comfort.de; "Cambium C17", Brooks, 125 Euro

1. Probefahrt

Grundsätzlich gilt: Wer ein neues E-Bikes kauft, muss sich nicht mit dem Original-Sattel zufriedengeben: Fast jeder Händler gibt seinen Kunden die Möglichkeit, verschiedene Sättel Probe zu fahren und den Sattel beim Kauf zu tauschen. Ganz wichtig: Kurz draufsetzen genügt nicht, um zu beurteilen, ob er passt – ein ­guter Sattel offenbart seine Qualitäten erst während einer längeren Fahrt.

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Manchmal genügt es schon, die Sattelneigung anzupassen. Praktisch für unterwegs: die Minitools von Brooks ("MT 21 Multi Tool Honey", 59 Euro) und Topeak ("Mini 20 Pro gold", 34,95 Euro)

2. Materialien & Polster

Besonders weich ist nicht unbedingt besonders komfortabel – im Gegenteil. Die Sitzknochen sinken in eine weiche Polsterung zu tief ein, irgendwann drückt und scheuert es überall. Härtere Sättel sind zwar anfangs oft etwas unbequem, schmiegen sich aber über viele Kilometer perfekt an den Po an. Für Pendler und Vielfahrer sind straffe Sättel mit dünner Polsterung ideal. Kunststoff-Sättel sind pflegeleicht, Leder fühlt sich etwas angenehmer an – das ist Geschmackssache. Meist ist die Oberfläche glatt; wer etwas mehr Halt sucht: Es gibt auch Sättel mit rutschhemmenden Aufsätzen, etwa den "Nepal Ti" von Selle Italia (Foto).

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Der "Nepal Ti" von Selle Italia. UVP: 119,95 Euro; im Online-Handel können die Preise stark variieren.

3. Sattelform

Beachten Sie die Form: Manche Modelle sind, von der Seite betrachtet, eher ­gerade, andere formen eine Welle. Rutschen Sie gerne nach vorne und hinten? Das geht beim geraden Sattel leichter. Stützen Sie sich gerne auf dem ansteigenden Sattel-Hinterteil ab? Dann ist ein geschwungenes Modell passender. Tipp: Sättel mit Vertiefungen oder Aussparungen im Genitalbereich bringen manchen Radlern große Erleichterung an ­typischen Druck­stellen. Aber: Auch die ­Ausführung der Aussparungskanten kann entscheiden, ob sich so ein Sattel angenehm anfühlt oder nicht.

4. Sattelbreite

Die optimale Sattelbreite variiert je nach Sitzposition. Ist der Lenker sportlich tief montiert, kippt das Becken nach vorne – man pedaliert auf einem schmäleren Rennsattel gut. Sitzt man gemäßigt – also Lenkerhöhe gleich Sattelhöhe –, sollte der Sattel ca. 15 bis 25 Millimeter breiter sein; ein klassischer Trekkingrad- oder Tourensattel ist eine gute Wahl. Ist die Sitzposition sehr aufrecht – Lenker deutlich höher als der Sattel –, lastet fast das ganze Gewicht auf dem Sattel; dann ist ein breiter, eventuell gefederter ­Sattel, wie der "Flyer Special" von Brooks, perfekt.

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Der gefederte Echtledersattel "Flyer Special" des britischen Traditionsherstellers Brooks. Herstellerpreis: 140 Euro (Preise können im Online-Handel stark variieren)

5. Damen + Herren

Viele Hersteller bieten spezielle Sättel für Damen oder Herren an. Da Frauen meist ein breiteres Becken haben, sind Damen­modelle allgemein kürzer und breiter als ­Herrensättel. Doch natürlich gibt es Schwankungen: Manche Frauen bevorzugen einen schmalen Sattel, manche Männer fühlen sich auf einem breiteren wohler – entscheidend ist der Sitzknochenabstand. Deshalb bietet etwa Ergonomie-Spezialist SQlab Unisex-Sättel in mehreren Breiten an, Selle Royal verkauft seine Unisex-Sättel der Scientia-Reihe in neun Breiten. Also: Der passende Sattel ist keine Frage des ­Geschlechts, zum Gesäß muss er passen.

6. Selber messen

Sie können Ihren Sitzknochenabstand beim Radhändler messen lassen – oder selbst ermitteln. Legen Sie ein dickes Stück Wellpappe auf eine harte Unterlage, z. B. einen Hocker. Setzen Sie sich aufrecht auf die Pappe. Danach markieren Sie die zwei Vertiefungen, die Ihre Beckenknochen hinterlassen haben und messen die Distanz. Manche Hersteller geben Sitzknochenabstände für ihre Modelle an. Zur Orientierung: Frauen haben meist einen Sitzknochenabstand zwischen 12,5 und 14,5 Zentimetern, Männer zwischen 9 und 11 Zentimeter.

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