E-Bike-Expedition

Abenteuer Asien – mit E

13.10.2016 Denis Katzer - Tanja und Denis Katzer sind mit E-Bikes unterwegs. Nicht bis zum nächsten Biergarten oder auf dem Donau-Radweg, sondern Tausende Kilometer und Höhenmeter – viele Wochen und Monate – zunächst durch Asien, und wenn möglich um die ganze Welt. Es gibt keinen Begleitbus, keine Crew. Mit dabei: nur ihr Hund Ajaci. Denis Katzer berichtet über Reiz und Abenteuer der längsten unsupported E-Bike-Expedition der Welt. Fortsetzung folgt ...
© Tanja & Denis Katzer

Mit dem E-Bike durch Asien – zugegeben: Es ist ein Abenteuer. Aber nicht unser erstes. Nachdem wir bereits in den vergangenen Jahren 15.000 Kilometer mit normalen Rädern von Deutschland bis in die Mongolei gefahren waren und dabei 11 Länder durchquerten, wollten wir mit einer E-Bike-Expedition da weitermachen, wo wir das letzte Mal mit unseren Rädern aufgehört hatten. Dabei legten wir in den vergangenen 12 Monaten ca. 10.000 km mit der Transsibirischen Eisenbahn zurück, durchradelten für 300 km ein Stückchen Sibirien, 1.200 km die Mongolei und die Wüste Gobi bis zur chinesischen Grenze. Von dort ging es ca. 5.500 km durch China, durch die Provinzen Innere Mongolei, Shanxi, Shaanxi, Sichuan und Yunnan. Die bisherige Bilanz auf dem Rad: ca. 44.000 Höhenmeter (dasist  ca. 5-mal auf den Mount Everest) und ca. 7.000 km.

© Denis Katzer

China mit dem E-Bike zu durchqueren war zweifelsohne eine der besten Ideen, die wir in den vergangenen Jahren hatten. Es war anstrengend – aber absolut lohnend. Mehr als lohnend. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Chinesen hat uns überrascht. Das Land der Gegensätze, der unsagbaren Vielfalt, der jahrtausendealten Kultur, des rasenden Fortschritts hat unsere Herzen erobert. Kein Tag war wie der andere. Die Natur ist schlichtweg sagenhaft und oftmals atemberaubend schön. Neun Monate lang haben wir jetzt das Land der Mitte, das Land des Drachens intensiv bereist.

© Tanja & Denis Katzer
Terrakotta-Armee. 1.087 Soldaten und Pferde hat man bisher freigelegt und restauriert. Mausoleum von Qín Shǐhuángdì. Provinz Shaanxi

Ich erinnere mich noch, wie skeptisch ich anfänglich dem gesamten Unternehmen einer E-Bike-Expedition gegenüberstand. Elektromotor, Akkus, Bordcomputer ... es klingt erst einmal nicht so, als gehörten diese Tools an ein Fahrrad. Vor allem aber wusste niemand, ob diese Technik einem harten Expeditionsalltag standhalten würde. Trotzdem waren Tanja und ich zuversichtlich, diesen absolut neuen Weg – eine Weltumrundung mit E-Bikes – zu beschreiten. Erfahrungswerte über solch ein Unternehmen gab es nicht und konnte man auch nicht im Netz recherchieren. Wir betraten Neuland.

© Tanja & Denis Katzer
Kloster des 2.100 m hohen Westgipfel der heiligen Hua Shan Berge. Provinz Shaanxi

Gleich zu Beginn hat uns die Mongolei mit ihrer Weite, dem ewig blauen Himmel, riesigen Pferdeherden und  umherziehenden Nomaden, die uns in ein längst vergangenes Zeitalter versetzten, fasziniert. Aber auch die erbarmungslose Wüste Gobi mit ihrer Hitze, den Kamelherden und den Nächten in den Jurten werden immer eine wunderbare Erinnerung bleiben. Dort begann bereits das richtige Abenteuer: Wir mussten bei einer Affenhitze und Gegenwind von der Stärke 7 (ca. 50 km/h) Strecken von bis zu 130 km zurücklegen, um an Trinkwasser zu gelangen. Plötzlich hing unser Überleben von der Zuverlässigkeit des Antriebs ab. In so einer Situation hört der Spaß auf. Da geht es um die nackte Haut. Doch die Bikes schnurrten Gott sei Dank zuverlässig dahin und brachten uns sicher durch die trockene Wüste.

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Denis Katzer uns sein Hund Ajaci in der Wüste Gobi. Mongolei

Das Wetter änderte sich im Herbst, wir waren eiskalten Stürmen ausgesetzt. Dann hielt der Winter Nordchina in seinem eisernen Griff. Würden die Akkus bei minus 20 Grad überhaupt noch funktionieren? Ja, wir kamen durch. Doch die Berge wurden immer unerbittlicher. Bis zu 3.300 Meter Höhe legten sich uns in den Weg. Es verging kein einziger Tag, ohne dass wir Höhenzüge, Bergrücken überqueren und vereiste Flüsse durchqueren mussten.

© Tanja & Denis Katzer
Tanja Katzer während der Passüberquerung im Qing-Ling-Gebirge, Provinz Shaanxi

Eine weitere Herausforderung waren vereiste Passstraßen. Vor allem wenn wir von einer Passhöhe ins Tal fuhren. Wir versuchten Talfahrten nicht am frühen Morgen zu nehmen, denn da war es besonders kalt. An kritischen Stellen waren wir gezwungen, unsere schweren Fuhren über die gefährlichen Eisflächen zu schieben. Doch selbst schieben war nicht immer die Lösung, weil beim Bremsen die Reifen einfach weggerutschten. Letztendlich hatten wir aber viel Glück – auch bei den unzähligen, bis zu vier Kilometer langen unbeleuchteten Tunnelfahrten.

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Denis Katzer überquert einen halb zugefrorenen Gebirgsfluss. Qing-Ling-Gebirge, Provinz Shaanxi

Das Abenteuer ist unvergesslich. Auch wenn es manchmal nicht leicht war, möchte ich keinen Tag missen. Vor allem die Fortbewegungsart bereitet uns ungeheure Freude und schenkt uns Freiheit. Wir können anhalten, wo wir wollen und bleiben, wo wir wollen. Wir reisen verhältnismäßig langsam und steigen auf diese Weise in die Tiefe eines jeden Landes ein. Wir atmen Mutter Erde, sind bei Wind, Kälte und Sonnenschein ein Teil von ihr. So kommen wir auch in engen Kontakt mit der Bevölkerung. Wir verstehen ihre Lebensart, teilen manchmal sogar ihr Leben, werden beschenkt durch Gastfreundschaft und Freundschaft.

© Tanja & Denis Katzer
Volk der Yi. Min Shan Gebirge, Provinz Sichuan.

Mit dem E-Bike zu reisen hat für uns einen großen Stellenwert eingenommen. Obwohl wir durch die DriveUnits unterstützt werden, müssen wir unsere Körper anstrengen – vor allem bei den Tausenden von Höhenmetern. Doch das E-Bike hat unsere Limits schlichtweg nach oben versetzt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unser Equipment – wegen der Liveberichterstattung und Ausrüstung für alle Jahreszeiten doppelt umfangreich – inklusive Rad, Anhänger und Ladung ca. 150 kg pro Person wiegt. Und diese Fuhre will bewegt werden.

© Tanja & Denis Katzer
Manchmal lassen sich auch Nachtfahrten nicht vermeiden.

Mit dem E-Bike, also so ökologisch wie möglich, eine Weltumrundung ohne Begleitfahrzeuge zu unternehmen, setzt ein sauberes Energiemanagement voraus. Was bedeutet, dass wir jeden Tag die vor uns liegenden Kilometer, die eventuell vor uns liegenden Höhenmeter, Straßenverhältnisse und das Wetter ins Kalkül ziehen. Der wichtigste Faktor ist dabei, wie weit man unter diesen Voraussetzungen mit der zur Verfügung stehenden Akkuleistung kommen kann, oder ob es auf dem Weg eine Möglichkeit des Nachladens gibt, wenn wegen schlechtem Wetter kein Sonnenstrahl von unseren Solarpanels aufgefangen wird, um unsere Batterien zu laden. Aber auch bei der besten Vorausplanung können einem Fehler unterlaufen und in unserem Leben ist nicht alles vorhersehbar. Es gibt immer eine Unbekannte – doch genau diese kann das Abenteuer, den Reiz und die Geschenke einer solchen Reise ausmachen.

© Tanja & Denis Katzer
Der Akku-Wechsel gehört zum "Tagesegschäft". Im Min Shan Gebirge, Provinz Sichuan.

In den kommenden 12 Monaten liegen noch 10.000 km vor uns. Die Länder Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailand versprechen weitere Abenteuer und tiefgehende Erfahrungen. Auf unseren Live-Portalen haben wir in bereits 700 Buchseiten und 1.800 Bildern über unsere Erlebnisse berichtet. Das Interesse der Fans ist fantastisch und motiviert uns jeden Tag von neuem, unsere Reise zu dokumentieren.

© Tanja & Denis Katzer
Zuschauer am Wegesrand ...

Info

Hier berichten Tanja und Denis Katzer online über ihre Erlebnisse: www.denis-katzer.com

Und hier kann man die Reise über Geotracking auch live mitverfolgen: http://denis-katzer.de/geoposition/

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