Interview

Ein Lasten-Pedelec als mobiler Ghettoblaster

14.12.2016 Jörg Spaniol - Der Nürnberger Tontechniker Tom König besitzt ein unüberhörbares Lasten-Pedelec. Die High-End-Lautsprecheranlage seines Soundbikes hat etwa so viel Leistung wie der Hinterrad-Motor. Was macht man mit so einem Monstrum?
© Hviid
Tom König ist Tontechniker, Musiker, Songtexter, DJ – und begeisterter Radfahrer. Mit dem Soundbike verbindet er all das

E-BIKE   Herr König, der Hersteller beziffert den Schall­druck Ihres Soundbikes mit 118 Dezibel. Wie laut ist das?

TOM KÖNIG  Wenn man den Regler voll hoch­dreht, entspricht das ungefähr der Lautstärke einer Feuerwehrsirene. Es ist jedenfalls so laut, dass man nicht mehr ganz nahe rangehen will.

Muss das sein?

Fast nie. Die volle Lautstärke habe ich bisher nur einmal eingesetzt – da hatte ich das Bike für eine Gewerkschaftsdemo vermietet. Der Veranstalter wollte, dass bei 1.000 Teilnehmern auch noch diejenigen alles verstehen, die in 80 Metern Entfernung stehen. Ich denke, das hat geklappt.

Aber das Ding ist mehr als ein extragroßes Megaphon, oder?

Ja klar, das ist eine ziemlich gute Soundanlage für kleine Open-Air-Konzerte oder große Partys. Sehr transparent in den Höhen und Mitten und mit einem differenzierten Bass. Selbst in den Bässen höre ich noch, ob eine CD gut oder schlecht abgemischt wurde. Es wäre eine Schande, auf dieser Anlage MP3s abzuspielen – ich selbst spiele damit nur unkomprimierte Klangdateien ab.

© Hviid
"100 Kilometer sollten mit einer Akkuladung drin sein. Bei der Anlage auf Zimmerlautstärke zwei Wochen" – Tom König über sein Soundbike

Was ist der Vorteil, wenn man diese Anlage per Rad herumfährt?

Zum einen besitze ich gar kein Auto. Zum anderen habe ich damit auch eine mobile Beschallung, die Anlage funktioniert ja nicht nur im Stand. Ich cruise damit auch mal mit Leuten, die Spaß haben wollen, durch Nürnberg. Aber man kann’s auch seriös einsetzen – etwa beim "Critical Mass Ride", einer regelmäßigen Fahrraddemo mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Da kann ich schon mehr aufdrehen als im privaten Rahmen.

Sind die Leute dann nicht genervt?

Ernsthaften Ärger mit der Polizei hatte ich noch nicht. Man muss sich aber auch klar­machen, wie laut gerade Nürnberg, das nach dem Krieg für den Autoverkehr optimiert wurde, ohnehin schon ist. Wenn wir also auf einer Ringstraße entlangfahren, habe ich gar kein Problem damit, richtig aufzudrehen. Da stehen dann auch Zuschauer am Rand und finden es lässig und klatschen. Aber es geht ja nicht darum, damit rumzuprollen! In kleineren Straßen drehe ich dann natürlich leiser, oder wenn Kinder dabei sind. Beim mobilen Einsatz habe ich die Finger ständig am Lautstärke-Regler.

Zurück zur Hardware. Welcher Akku hält länger – der im Antrieb des Lasten-Pedelecs oder der von der Anlage?

Den Akku vom Rad hatte ich nach 50 Kilo­metern zur Hälfte leer, ich habe aber kräftig mitgetreten. 100 Kilometer sollten drin sein, obwohl die Fuhre schon ohne mich geschätzte 100 Kilo wiegt. Bei der Anlage mache ich
mir gar keine Sorgen. Auf Zimmerlautstärke dürfte die zwei Wochen laufen, auf volle Power gibt der Hersteller acht Stunden an – aber will man das wirklich ausprobieren?

Info

Ein Musikvideo von Oy, die mit dem (kleineren) Soundbike durch Berlin cruisen, gibt’s hier

Schlagwörter

SoundbikeOYE-BikeTom KönigBerlinNürnbergTontechnik

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Ausgabe 2/2016 bestellen